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Aufbau eines 2,4 L Typ 4 Motor - Seite 3

 

 
Mit diesem Werkzeug wird das Schwungrad festgesetzt   Axialspiel der Kurbelwelle einstellen
 

Montiertes Gehäuse mit dem Schwungrad   So leichtgängig wie in diesem Video muss der Kurbeltrieb sein

Als nächstes wird der Zündverteilerantrieb eingesetzt. Dazu wird der Zylinder 1 auf OT gestellt. D.H. Zylinder 1 ist der von der Riemenscheibenseite betrachtete hintere rechte Zylinder. Da die Zylinder noch nicht montiert sind, muss der Kurbeltrieb so lange gedreht werden, bis das Pleuel von Zylinder 1 ganz nach außen ragt. Dann wird die Unterlegscheibe mit Fett an die Zündverteilerantriebswelle geklebt und mit einem Winkel von ca. 12° zur Motorlängsachse eingesetzt (siehe Bild). Das kleinere Segment liegt dabei außen. Da sich der Verteilerantrieb in der Führung des Verteilerantriebsrades noch etwas weiter dreht, ist das ein beliebter Fehler bei Anfängern. Den Verteilerantrieb bekommt man mit einem handelsüblichen Innenauszieher Durchmesser 14,5-18,5 mm wie z.B. KUKKO 21/2 wieder herausgezogen. Nun wird noch die Feder mit einer kleinen Spitzzange in den Verteilerantrieb gesetzt. Der Motor darf jetzt nur noch in der richtigen Richtung gedreht werden, da sonst der Verteilerantrieb verkantet und aus der Verzahnung springt. Die richtige Laufrichtung sieht man in dem Video. Wenn man vor dem Schwungrad steht, wird das Schwungrad oben nach links gedreht. Nun kann auch die Ölpumpe montiert werden. Ich habe mich bei diesem Motor für eine 30mm HD Melling Ölpumpe entschieden, da diese qualitativ sehr hochwertig ist. unter dem Ölpumpengehäuse und unter dem Ölpumpendeckel wird eine Papierdichtung gelegt, die leicht eingefettet werden. Die Schrauben werden mit 20Nm angezogen. Für diese Muttern benutze ich immer selbstsichernde Muttern. Vorher sollte allerdings das Axialspiel der Pumpe gemessen werden. Dazu wird der Abstand zwischen Pumpengehäuse und den Zahnrädern mit einem Messwinkel und einer Fühlblattlehre gemessen. Das Axialspiel darf maximal 0,1 mm betragen. Dieses wird ohne Dichtungen gemessen. Damit die Zylinder montiert werden können, müssen die Zylinderstehbolzen eingeschraubt werden. Dafür kontere ich zwei Muttern auf dem Stehbolzen und drehe diese dann mit einer Knarre rein. Bei großen Zylindern müssen die Gewinde komplett eingeschraubt werden, da sonst die Zylinder leicht auf den Gewinden aufliegen und dann verkanten. Die Stehbolzen werden ebenfalls mit Dichtmittel eingesetzt.

Da die Kolben und Zylinder noch nicht geliefert wurden, habe ich den Motor mit einigen Teilen komplettiert. Die Stößel wurden eingeölt in die Bohrungen geschoben, die Ölkühleradapterplatte wurde mit den beiden Dichtungen eingesetzt, der Ölfilterhalter mit Ölfilter und den Dichtungen wurde verbaut, das Ölsieb und die Verschlußdeckel wurden mit den Dichtungen montiert, der Öldruckkolben mit der Feder und der Spezialverschlussschraube für die Aufnahme des Öltemperaturfühlers wurden verbaut und der Öltemperaturfühler und der Öldruckschalter wurden verbaut. Der Wellendichtring an der Riemenscheibe wird wie der Wellendichtring an dem Schwungrad mit einer passenden Scheibe montiert. Danach wird der O-Ring in die Nabe eingesetzt und die Dichtflächen der Dichtringe leicht eingeölt. Die Nabe wird mit einem Drehmoment von 30 Nm mit der mittleren Schraube befestigt. Auf diese Nabe wird dann die Riemenscheibe mit drei Schrauben befestigt.

 
Web-Cam Stößel   Adapterplatte für den externen Ölkühler
 
Temperaturfühler, Deckel, magnetische Ölablassschraube und Ölfilter sind montiert   Ölfilteradapter, Ölfilter, Riemenscheibe und Stößelstangen sind montiert

Nachdem die Kolben und Zylinder geliefert wurden, kann nun das Verdichtungsverhältnis ermittelt und Maßnahmen zur Anpassung vorgenommen werden. Das Verdichtungsverhältnis X berechnet sich wie folgt:

Verdichtung   X = Verdichtungsverhältnis
  Vb = Brennraumvolumen (wird ausgelietert)
  d = Zylinderinnendurchmesser
  h = Hub der Kurbelwelle
    R = Kolbenrückstand

Diese Formel kann auch online auf der Seite http://www.csp-shop.de/cshop/technik/ber_verdichtung.php berechnet werden.

Das Brennraumvolumen muss ausgelietert werden. Dazu baut man sich eine Scheibe aus durchsichtigem 10 mm starkem Plexiglas. Das Plexiglas sollte Benzin beständig sein, da damit ausgelietert wird. Die Scheibe bekommt 6 Bohrungen in einem Durchmesser von 7 mm (siehe Bild). Es wird zum Auslietern eine handelsübliche Spritze mit 60 Milliliter Inhalt benötigt. Diese wird mit Benzin befüllt und soweit wieder zusammengedrückt, bis alle Luftblasen verschwunden sind. Der Zylinderkopf wird horizontal ausgerichtet und muss mit Ventilen und Zündkerze bestückt sein. Ich benutze zum Ausrichten eine kleine Wasserwaage. Die Plexiglasscheibe wird mit Fett in den Zylinderkopf geklebt und der Inhalt der Spritze durch die mittlere Bohrung in den Brennraum vorsichtig eingespritzt, bis alle Bohrungen am oberen Rand gefüllt sind. Der eingespritzte Wert kann nun auf der Spritze abgelesen werden. Die Skala der Spritze ist übrigens nicht benzinfest. Hier ist also Vorsicht geboten. Zum Auslietern kann natürlich auch eine Meßbürette aus Metall verwendet werden. Das macht die Sache etwas einfacher. Das ausgelieterte Volumen ist noch nicht das Brennraumvolumen. Von ihm müssen noch die Inhalte der Bohrungen abgezogen werden. Z.B. wurden 55 ml (auch 55 ccm) gemessen und die Scheibe hat 5 Bohrungen mit je 7 mm Durchmesser und einer Höhe von 10 mm, dann muss das Volumen von 2 ccm abgezogen werden. D.H. das Brennraumvolumen beträgt 53 ccm. Wenn die Kolben Taschen aufweisen, muss der Inhalt dem Brennraumvolumen hinzugefügt werden. Dieses kann genauso ausgelietert werden.

Der Kolbenrückstand wird durch Montage der Kolben und Zylinder gemessen. Die neuen Kolben und Zylinder werden immer montiert geliefert. Der Zylinder sollte gereinigt und von innen mit Öl benetzt werden. Jetzt kann der Kolben soweit nach unten herausgeschoben werden, bis die Bohrungen für den Kolbenbolzen frei liegen. Vorsichtig, wenn die Kolbenringe mit nach unten herausgedrückt wurden, müssen sie wieder mit einem Spannband eingesetzt werden. Dazu später mehr. Der Kurbeltrieb wird nun solange gedreht, bis das Pleuel ganz aus dem Gehäuse herausragt. Nun kann der Zylinder mit dem Kolben auf die Stehbolzen gesetzt werden, bis das Pleuelauge auf derselben Höhe steht wie die Bohrungen des Kolbens. Der leicht eingeölte Kolbenbolzen kann jetzt von Hand in die Kolbenbohrungen und in das Pleuelauge geschoben werden. Der Kolbenbolzen sollte sehr leichtgängig sein. Bei der Auswahl der Kolben und Zylinder sollte darauf geachtet werden, dass der Pfeil auf dem Kolben immer zum Schwungrad zeigt, da dieser nicht ganz symmetrisch angeordnet ist. Sitzt der Kolbenbolzen, kann der Zylinder über den Kolben ins Gehäuse gestülpt werden und provisorisch mit einer Montageplatte verschraubt werden (siehe Bild). Der Kolben ist nun auf den OT (oberen Totpunkt) zu stellen und das Maß zwischen der Stirnfläche des Zylinders und dem Kolbenboden mit einem Tiefenmessschieber zu messen. Dieses ist der Kolbenrückstand. Der Kolbenrückstand sollte an mehreren Stellen gemessen werden. Wenn die Werte unterschiedlich sind, ist der Kolben nicht genau im Umkehrpunkt, da er je nach Größe zum Kippen neigt. Der OT bedeutet, dass der Kolben so weit wie möglich nach außen verschoben wird.

 
Messen des Kolbenrückstand   Auslietern der Zylinderköpfe

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