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Der Verlust eines Motors und der Aufbau des neuen

Vor einiger Zeit fuhr ein kleiner Käfer von Wolfsburg nach Winsen. Plötzlich verlor der Käfer stark an Leistung. Danach hörte man ein großes Knacken und der Motor lief gar nicht mehr. Nach hektischen Telefonaten schleppte mich der ADAC zu meiner Garage. Dort begannen nach einer kleinen Beruhigungsphase die ersten Begutachtungen des defekten Motors.  Dazu schraubte ich den Vergaser des 1600er ab und fühlte mit den Finger in die Ansaugbrücke. Dabei fuhr mir ein gewaltiger Schauer über den Rücken, denn an meinem Finger klebten überall feine Späne. Das deutete auf einen größeren Schaden des Motors, und ich entschloss mich den Motor auszubauen. Zu diesem Zweck rief ich meinen Bruder an, der mir bei Schraubarbeiten immer sehr behilflich ist. 

Als wir den Motor ausgebaut hatten, bauten wir die Ansaugbrücke und die Zylinderköpfe ab. Danach erblickten wir ein Bild des Grauens. Ein Kolben fehlte komplett und der passende Zylinderkopf war völlig zerstört. Den teilzerlegten Rumpf schafften wir in unseren Bastelkeller und fingen an ihn komplett zu zerlegen. 

Motorschaden im Überblick zerstörter Zylinderkopf
verbogenes Pleuel Restbestände des Gehäuses

Die Bilder des Grauens setzten sich auch hier fort. Die Nockenwelle war gebrochen, die Zähne des Nockenwellenrades waren ausgebrochen, eine Pleuelstange war stark verbogen, das Gehäuse war gebrochen und einige Stößel waren im Gehäuse verdreht und verklemmt. Hier mussten sehr große Kräfte gewaltet haben.

Den Motor konnten wir komplett wegschmeißen. Und alles nur, weil sich die Pleuelchrauben von einem Pleuel gelöst haben und der Kolben in den Kopf gewandert ist. Dort ist er auf ein Ventile getroffen, daß verformt wurden und schließlich abriß. Nachdem das Ventil abgerissen war, wurde der Kolben und der Zylinderkopf zerschmettert. Daraufhin gelangten die Trümmer in das Kurbelgehäuse und vernichteten den Rest des Motors.

Fazit: Kaufe den Motor immer von einem Schrauber der die Pleuelschrauben mit einem Drehmomentschlüssel anzieht.

Jetzt kam die Frage auf, welchen Motor baue ich anstelle des zertrümmerten Motors ein. Mir schwebte schon immer ein Motor mit viel Leistung vor. Da ich die Schnauze von zertrümmerten Motoren voll hatte, kam für mich ein getunter Type 1 Motor nicht in Frage. Obwohl es da ja auch andere Meinungen gibt. Ich entschloss mich also für einen leicht getunten Type 4 Motor. 

Von einer Kfz-Werkstatt aus Büchen kaufte ich drei Type 4 2.0 L GB Motoren für 240 DM. Er verkaufte leider nur alle drei zusammen. Na ja, einige Ersatzteile zu haben ist ja auch nicht schlecht. Beim Maikäfertreffen in Hannover fand ich gebrauchte  Zylinderköpfe vom W Motor, die passend von 1700 ccm auf 2000 ccm aufgebohrt waren. Bei einer Verdichtung von 10:1. Bei diesen Teilen habe ich ein echtes Schnäppchen geschlagen. Zusammen für alles nur 180 DM. Die Zylinderköpfe habe ich dann zum Bearbeiten weggeschickt. Sie bekamen erweiterte Kanäle mit einer Ventilbestückung von 44 mm  im Einlass und 37 mm im Auslass, sowie eine Brennraumoptimierung, der anschließend auch poliert wurde. Die Ventilfedern wurden dabei gegen doppelte Ventilfedern getauscht. Der ganze Spaß war etwas teurer. Alles zusammen hat ca. 1200 DM gekostet. Bei der Nockenwelle habe ich mich für eine WEB-CAM 270° entschieden, da der Händler bei mir in der Nähe ist. Zu der Nockenwelle habe ich passende gehärtete WEB-CAM Stößel und verstärkte GENE BERG Chrom Moly Stößelstangen besorgt, damit ich im Ventiltrieb nie wieder Probleme bekomme. Die Kolben und Zylinder habe ich ebenfalls neu besorg. Ich habe sie als Set mit passenden Pleuel gekauft. Die Kolben stammen von der Fa. Mahle mit Kolbenbolzen von 22 mm. Gekürzte Wärmetauscher mit passendem Type 1 Style Auspuff und Lüfterrad mit einer neuen Porsche Lichtmaschine besorgte ich aus dem Bugnet. Zusammen ca. 2000 DM. Die 44er Weber Doppelvergaser mit passendem Gestänge besorgte ich lieber neu, da dieses sehr empfindliche Teile sind. Für die Kraftübertragung zum Getriebe habe ich eine 200 Sportkupplung gewählt, da man bei dieser Kupplung nichts an der Getriebeglocke ändern muss.

Nachdem ich das Motorgehäuse von der Bearbeitung zurückbekommen hatte, an ihm wurde eine Freidrehung fürs Lüfterrad vollzogen, konnte die Komplettierung vollzogen werden. Dazu tauschte ich alle Verschleißteile wie Lager und Dichtungen aus. Die Kurbelwelle wurden von dem GB Motor übernommen, da alle Maße einwandfrei waren. Nach polieren des Lüfterrades und ca. zwei Wochen später erstrahlte der Motor in seinem neuen Glanz und wartet darauf in einem Käfer verpflanzt zu werden.

Der neue Motor Nach dem Einbau und Einstellen

Nach dem Einbau, der keine Probleme bereitete, mussten noch die Vergaser und die Zündung eingestellt werden. Die Einfahrzeit wollte gar nicht enden. Das Beschleunigen lockte nun wirklich sehr. Als die Einfahrkilometer absolviert waren, wurden die Vergaser und ihre Bedüsung bei Firma Wünsch auf einem Leistungsprüfstand aufs feinste eingestellt. Beim Testen auf dem Prüfstand schauderte es mir ziemlich den Rücken runter, da er den Motor bis aufs äußerste belastete.

Er erbrachte Beim Leistungstest ca. 160 PS. Ich bin mit dem Motor voll zufrieden und habe hoffentlich noch viel Spaß mit meinem Käfer.

Aus optischen Gründen habe ich den Auspuff gegen einen Edelstahlauspuff der Fa. Tafel getauscht, da dort die Endrohre wesentlich kleiner sind und der Auspuff noch mehr Volumen hat. Ebenfalls wurde das Gasgestänge gegen die Neuentwicklung von CSP getauscht. Dadurch läuft der Motor jetzt bei termischen Änderungen noch besser.